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Nothilfeeinsatz in Somalia und Somaliland


„Seit meiner Ankunft habe ich viel Leid gesehen“, erzählt Henrieke Hommes, leitende Krankenschwester des Medair-Gesundheitsprogramms in Somaliland, voller Sorge. „Ich treffe Frauen in meinem Alter, die alles aufgeben mussten, um mit ihren Kindern vor Dürre und Gewalt zu fliehen. Viele wurden auf der Flucht vergewaltigt. Und jetzt versuchen sie, in diesen Lagern,
in denen Epidemien wüten und Unterernährung errscht, mit fast nichts zu überleben!“

Nach 19 Jahren voller Gewalt (siehe Infokasten), die durch
mehrere Jahre schwerer Dürre sowie explosionsartige Preissteigerungen noch verschlimmert wurden, erlebt Somalia eine der gravierendsten humanitären Krisen der Welt. Mehr als 40% der Bevölkerung warten auf Nothilfe, und 15% der Einwohner mussten fliehen, was einer Gesamtzahl von 1,2 Millionen Vertriebenen entspricht1. Einige von ihnen haben Zuflucht in ihrem eigenen Land gefunden, andere sind mehr als 800 km nach Somaliland (siehe Infokasten) gelaufen.

So auch Kureisha, damals im achten Monat schwanger. „Wegen der Bombenangriffe auf Mogadischu vor zehn Monaten mussten mein Mann und ich fliehen. Wir brauchten 19 Tage zu diesem Lager, in dem ich unseren Sohn zur Welt brachte. Mein Mann geht jeden Tag in die Stadt und versucht dort, Geld zu verdienen, damit wir uns etwas zu essen kaufen können. Wenn er nichts mitbringt, essen wir nichts, so wie heute. Ausserdem hat mein Baby Tuberkulose und Durchfall!“

Kinder und Schwangere sind von dieser humanitären Katastrophe am stärksten betroffen: Jedes sechste Kind leidet an akuter Unterernährung, mehr als jedes sechste Kind stirbt vor seinem fünften Geburtstag2, und jede hundertste Frau stirbt während der Geburt. Diese Zahlen gehören zu den höchsten der Welt – und sie
steigen immer weiter an!

Trotz der Gefahren, die zahlreiche humanitäre Hilfsorganisationen davon abhalten, in Somalia und Somaliland aktiv zu werden, hat Medair im Juli 2008 einen umfangreichen Nothilfeeinsatz begonnen. All unser Know-how, unsere Kenntnisse und unsere Erfahrungen wurden eingebracht, um mit der Hilfe unserer lokalen Partner ein Programm für den Zugang zur Gesundheitsversorgung, die Bekämpfung der Unterernährung, die Versorgung mit Trinkwasser und die Verbesserung der Hygienebedingungen zu starten. Wir haben zuerst in Middle Shabelle in Zentral-Somalia begonnen, einer armen und abgeschiedenen Region, die besonders unter der Dürre und dem Zustrom der Vertriebenen gelitten hat. Im Dezember weiteten unsere Teams dann ihre Hilfsmassnahmen auf die Region Burao in Somaliland aus, in die Zehntausende Vertriebene geflohen sind.

In diesen beiden Regionen steht die Bekämpfung der Unterernährung an erster Stelle. Unsere mobilen Ernährungskliniken fahren in die ärmsten Gebiete, um Fälle von Unternährung zu identifizieren. Jene, die es benötigen, erhalten einen besonders reichhaltigen Brei auf Erdnussbasis. Jene, die nicht mehr selbst essen können, werden ins nächstgelegene Krankenhaus gebracht, um dort wieder zu Kräften zu kommen und sich selbst ernähren zu können.

„Mit zweieinhalb Jahren wog Suad nicht einm 5 Kilo“, erinnert sich Henrieke. „Sie hatte keine Kraft, zu essen oder zu trinken. Wir haben sie ins Krankenhaus gebracht, um sie über einen Schlauch zu ernähren. Aber selbst dabei übergab sie sich und schien dem Tode nah. Wir machten uns grosse Sorgen… Und jetzt ist nach nur ein paar Wochen ein Wunder geschehen. Suad hat zugenommen und ist wieder zu Kräften gekommen. Es ist so schön, wenn man sieht, wie die Kinder, die an unserem Programm teilnehmen, den Weg zurück ins Leben finden!“

Unsere Teams kümmern sich ebenfalls um den Aufbau von Gesundheitsversorgungszentren und Zentren für Reproduktionsgesundheit, damit die Mütter ihre Kinder nicht mehr unter Lebensgefahr gebären müssen. Gleichzeitig sensibilisieren wir die Bevölkerung im Bereich Hygiene, um die Gefahren durch Krankheiten zu reduzieren. Und schliesslich nimmt die Verbesserung der Trinkwasserversorgung eine wichtige Stellung in
unserem Programm ein, da das Trinken von verseuchtem Wasser einer der Hauptfaktoren für das Auftreten von Krankheiten ist.

In den kommenden Monaten möchte Medair die Hilfsmassnahmen auf andere abgeschiedene Regionen ausweiten, zum Beispiel die Region Saaxil in Somaliland und die Region Rage Ele in Middle Shabelle. Die laufenden Programme werden zudem durch neue Projekte ergänzt, mit denen den ärmsten Menschen dauerhaft bei der Versorgung ihrer Familien geholfen werden soll. Aber diese lebenswichtigen Aufgaben können wir nur mit Ihrer Unterstützung durchführen.

50 Jahre Instabilität

1991: Der Sturz des Diktators Mohamed Siad
Barre markiert den Beginn der Kämpfe zwischen
den verschiedenen Übergangsregierungen
und den islamistischen Gruppen. Die Provinz
Somaliland erklärt ihre Unabhängigkeit,
die jedoch von der internationalen Gemeinschaft
nicht anerkannt wird.

November 2006: Sintflutartige Regenfälle folgen auf
eine beispiellose Dürre im Zentrum und im Süden.
Mehr als 300000 Menschen müssen fliehen.

Dezember 2006: Ein Angriff äthiopischer Truppen
an der Seite der Übergangsregierung macht
400000 Einwohner von Mogadischu zu Obdachlosen.

Juli 2009: Neue Gefechte zwingen
200000 Menschen zur Flucht.

Ihre Spenden in Aktion

Anzahl Hilfeempfänger 2008: 68000

Finanzierungsbedarf zur Erreichung unserer
Ziele bis Ende 2009: CHF 410000.–

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Projektkosten: Mit CHF 45.- können wir zum Beispiel ein so stark unterernährtes Kind wie Safia retten, indem wir es ernähren, medizinisch versorgen, bis es vollständig genesen ist, und impfen, um es vor Krankheiten zu schützen.

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