Meditation
«Konsum und Weihnachten»
Eine konsumkritische Weihnachts-Meditation.
1. Lesung
„Dass nicht, wenn du dich satt essen kannst und schöne Häuser baust und darin wohnst, wenn deine Rinder und Schafe sich vermehren und Silber und Gold sich dir häuft, und alles, was du hast, sich mehrt, dass nicht dein Herz sich alsdann überhebe und du des Herrn, deines Gottes, vergessest.“ (5. Mose 8,12-14; Kontext: V.10-20.)
„Dies sage ich nämlich nicht, damit andere Erleichterung haben, ihr aber Bedrängnis, sondern auf Grund von Gleichheit: in der Jetzigen Zeit soll euer Überfluss für den Mangel jener dienen, damit auch der Überfluss jener für euren Mangel dient, auf dass Gleichheit entsteht.“ (2. Korinther 8,13-14; Kontext: V.13-15.)
2. Besinnung
Die Bibelstellen, die uns aufrufen, genügsam zu sein und keine Güter anzuhäufen, fehlen nicht. Wenn wir uns für das Elend der Armen interessieren, können wir es nur schwer rechtfertigen, dem Hunger des Nächsten gegenüber gleichgültig zu sein. Die Heilige Schrift macht es sehr klar, dass wir uns um die Armen kümmern und den Hungernden zu Essen geben sollen.
Der Konsumrummel rund um das Fest von Jesu Geburt wird besonders eigenartig, wenn wir ihn der Lehre Jesu über den Besitz gegenüberstellen. An zahlreichen Stellen forderte er seine Zuhörer auf, Reichtum und Wohlstand vollständig aufzugeben und mit dem Besitz ganz freizügig umzugehen: „Suchet vielmehr zuerst sein Reich und seine Gerechtigkeit! dann werden euch alle Dinge hinzugefügt werden.“ (Matthäus 6,33)
Natürlich ist es richtig, dass Menschen gut genährt und gekleidet sind, angemessen wohnen und moderne Technologie im Alltag nutzen können. Aber Fr. Timothy V. Vaverek weist darauf hin, dass wenn wir diese Dinge zum absoluten Ideal machen, wir „den Sinn des Lebens verwässern und die Menschen in die Sackgasse des Materialismus’ führen“. Gewiss ist der durchschnittliche Nordamerikaner an den Punkt gelangt, wo er „genug“ hat. In den Sprüchen heisst es dazu treffend: „Gib mir weder Armut noch Reichtum.“ (30,8)
Die Theologin Sallie McFague spricht vom gleichen Ideal, wenn sie zum „Leben in Kreuzesform“ aufruft, was sie „als eine begriffliche Alternative für das Leben im Überfluss“ beschreibt, „die den Gedanken der Genügsamkeit, der Einschränkung des Energieverbrauchs, und der Aufopferung für andere umfasst“.
Wir haben genug. Weiteres Anhäufen nimmt nicht nur Ressourcen weg, die sonst den Armen zufliessen könnten, sondern hat auch katastrophale Auswirkungen auf die Umwelt. Wenn Alle nach nordamerikanischen Standards konsumieren würden, wären die Ressourcen der Erde in kürzester Zeit aufgebraucht. Wir können Gott nicht lieben, wenn wir die Welt, die Gott schuf, nicht lieben und mit Achtung behandeln.
Schliesslich müssen wir berücksichtigen, dass Jesus mit seinem Leben und seiner Lehre im krassen Widerspruch zu seinem kulturellen Umfeld stand. Die Christen sind berufen, in ähnlicher Weise im Widerspruch zu den Normen und Annahmen ihrer Gesellschaft zu treten. Dem Vorbild Christi folgen heisst darum in einer Gesellschaft, die von Kauf und Konsum geprägt ist, in Einfachheit zu leben und nach einer genügsamen Haltung zu streben.
3. Fragen
- Welche Art von Geschenken dient den Interessen der Armen?
- Mit welchen Kriterien stelle ich fest, was ich wirklich brauche und was nicht wesentlich ist?
- Wenn mich Freunde und Verwandte fragen, was ich mir zu Weihnachten wünsche, was antworte ich? Wie vermeide ich Selbstgerechtigkeit?
- Überleg dir, wann du ein bedeutungsvolles Geschenk erhalten hast. Warum war es bedeutungsvoll? Wie kann sich das auf deine Geschenke auswirken?
- Wie können wir Weihnachten freudig erleben, und doch ein Bewusstsein für unseren hungrigen Nachbarn und die leidende Umwelt pflegen?
- Welche Weihnachtstraditionen (ausser Geschenkegeben) können wir wiedererwecken oder wiederentdecken, um die Weihnachtsfeier bedeutungsvoller zu machen?
4. Sprechchor
Heiliges Kind von Bethlehem, deine Eltern fanden keinen Platz in der Herberge,
Wir beten für alle, die obdachlos sind.
Heiliges Kind von Bethlehem, du wurdest in einem Stall geboren,
Wir beten für alle, die in Armut leben.
Heiliges Kind von Bethlehem, du wurdest als Fremdling verstossen,
Wir beten für alle, die verloren und alleine, alle, die in Trauer sind.
Heiliges Kind von Bethlehem, du wurdest von Herodes mit dem Tod bedroht,
Wir beten für alle, die in Gefahr und verfolgt sind.
Heiliges Kind von Bethlehem, du bist nach Ägypten geflüchtet,
Wir beten für alle, die fern von zu Hause sind.
Heiliges Kind von Bethlehem, in Dir kommt Gott uns nahe,
Bitte hilf uns, dein göttliches Bild im Nächsten zu sehen.
Quelle: www.christnet.ch und www.buynothingchristmas.org, aus dem Englischen von Samuel Ninck, Oktober 2005. Originaltitel: A Christian Response to Consumerism. (Anm.: Diese Bibelstudie wurde von Nicholas Klassen unter Mitarbeit von Catherine Bargen und Aiden Schlichting Enns im November 2002 erarbeitet. Der Sprechchor beruht auf Material von „Alternatives for Simple Living“: www.simpleliving.org.)








